eBay investiert in Daten und künstliche Intelligenz

eBay investiert in Daten und künstliche Intelligenz


Seit der Trennung von eBay und PayPal vor etwa eineinhalb Jahren, hat sich bei eBay eine Menge getan.

Der Marktplatz hat nicht nur eine neue Dateninitiative gestartet, sondern in den letzten Monaten auch diverse strategische Übernahmen  getätigt. Der eBay-CEO Devin Wenig kommentierte diese gegenüber dem Fernsehsender CNBC: „Wir setzen gerade die Samen, um sicherzustellen, dass eBay nicht nur marktrelevant ist, sondern eine Führungsposition im Bereich der künstlichen Intelligenz verkörpert.“

Ziel: Beste Suchergebnisse

Ein wesentliches Ziel für den Fokus auf Daten bei eBay ist die Verbesserung der eigenen Suchergebnisse. Weltweit stehen auf eBay über eine Milliarde Artikel zum Kauf, jeweils mit zig Detailinformationen, Bildern und Hintergrundinformationen. Um diese Datenmengen für potenzielle Kunden bei ihrer Suche möglichst optimal ausgespielt zu bekommen, muss eBay eine enorme Menge an Produktdaten strukturieren.

„Die Strukturierung und Katalogisierung der angebotenen Artikel ist und bleibt eine zentrale Aufgabe. Wir schätzen, dass etwa 90 Prozent unseres Inventars katalogisierbar sind. Mittlerweile haben wir es geschafft, 42 Prozent zu erfassen. Das funktioniert über eindeutige Produktkennzeichnungen wie EANs, GTINs, MPNs oder Artikelmerkmale und ergänzt durch Artificial-Intelligence-Technologien“, ergänzt dazu der Geschäftsführer eBay Deutschland Stefan Wenzel.

Noch einen Schritt weiter möchte der CEO von eBay Devin Wenig, denn er will künftig Kundenwünsche durch künstliche Intelligenz erkennen und diese darüber besser bedienen. Der CEO verbindet damit besonders auch eine stärkere Personalisierung, abgeleitet aus den tatsächlichen Bedürfnissen der einzelnen Kunden.

Ziel: Präzise Produktbeschreibungen

Ein weiteres Ziel, bei dem eBay neue Technologie einsetzen will, ist, dass ein Kaufinteressent genau die Suchergebnisse auf der ersten Seite angezeigt bekommt, die seiner Suchanfrage sowie seiner Preisvorstellung am besten entsprechen. Dazu möchte eBay über ausgewählte Daten den bestmöglichen Preis eines Artikels für einen bestimmten Kunden ermitteln können.

Zugleich sollen die Verkäufer in die Lage versetzt werden, ihre Produktbeschreibungen durch detaillierte Daten besser gestalten zu können. Um dies präzise umsetzen zu können, müssten Verkäufer von eBay Informationen dazu bekommen, welche Inhalte in einer Produktbeschreibung entscheidend sind, um für bestimmte Suchbegriffe weit oben im Suchergebnis Ranking angezeigt zu werden.

Ziel: Individuelle Shopping-Erlebnisse

eBay will über neue Technologie herausfinden, was ein Konsument möchte und wann. Dadurch soll das Einkaufserlebnis für jeden Konsumenten individuell angepasst werden. Diese Anpassung betrifft nicht nur die angebotenen Produkte, sondern auch den Zeitpunkt, zusätzlich sinnvolle Services, den Preis, aber auch die Sprache mit der das Produkt beschrieben wird.

Visuelle Suche statt Sprachsuche

Um zugleich in Sachen „visuelle Suche“ weiter zu kommen, hat eBay auch das israelische Start-up Corrigon übernommen. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Suche und das Identifizieren von Objekten innerhalb von Bildern und den Abgleichen mit anderen Bildern.

eBay nimmt dazu in einer Pressemitteilung wie folgt Stellung: „Angesichts mehr als einer Milliarde Live-Listings auf der eBay-Plattform wird Corrigons Expertise und Technologie dabei helfen, die besten Bilder den entsprechenden Produkten zuzuordnen, damit die Kunden sicher sein können, dass die von ihnen erstandenen Produkte tatsächlich so sind, wie sie aussehen“.

Der Weg: Artificial Intelligence und Machine Learning

Um seine große Menge an Daten zu strukturieren und intelligent zu nutzen, hat eBay in den vergangenen Monaten strategisch in Unternehmen aus den Bereichen Artificial Intelligence (AI bzw. künstliche Intelligenz) und Machine Learning investiert.

Unter anderem hat eBay Mitte 2016 das schwedische Unternehmen Expertmaker, einen Spezialisten für künstliche Intelligenz, übernommen. Mit dessen AI-Technologie soll es künftig besser gelingen, den Informationswert der eigenen Datenmassen zu nutzen und „um den Versand und die Lieferzeiten, das Vertrauen, Pricing und vieles mehr zu verbessern“.

eBay hat auch vorher bereits Ansätze künstlicher Intelligenz genutzt, um Produkte in Angeboten zu erkennen, ähnliche Produkte zu finden oder auch um Empfehlungen zu bewerten. Ebenfalls in weiteren Bereichen, wie etwa dem Risko- und Betrugsmanagement, kommt bei eBay schon künstliche Intelligenz zum Einsatz. Nun kommen weitere Möglichkeiten dazu, das Kauferlebnis so zu verbessern, dass das Suchfeld für Kunden in Zukunft nicht mehr nötig sein soll.

Neben Expertmaker kaufte eBay den israelischen AI-Spezialisten SalesPredict. Das Unternehmen soll unter anderem das Kaufverhalten sowie die Kaufwahrscheinlichkeit voraussagen können. Beide Unternehmen sollen eBay zu Zukunft dabei helfen, möglichst relevante Kaufvorschläge zu machen. Das soll eBay insbesondere bei der Ermittlung der Faktoren, die die Preisgestaltung eines Produktes beeinflussen können, unterstützen.

„Die Akquisen helfen uns im Bereich Künstliche Intelligenz und Machine Learning. Wir wollen damit etwa neue Möglichkeiten der visuellen Suche bei eBay entwickeln oder noch besser das Verhalten der Kunden vorhersagen können“, so Wenzel.

Die Vision von eBay

Die Vision, die dahinter steht, ist, dass eBay seine Kunden findet und nicht die Kunden eBay. Dabei ist es egal, wo sich ein Konsument aufhält (in einem sozialen Netzwerk oder in einem Messenger). eBay ermittelt ihn, sofern er eine latente Kaufintention hat. Nun möchte eBay diesem Konsumenten genau den Artikel offerieren, den er kaufen möchte. Und das alles, ohne dass der Nutzer dafür die eBay Website aufrufen muss.

Da der E-Commerce Spezialist eBay seit Jahren umfangreiches Datenmaterial sammeln konnte, dürfte seine Ausgangslage zu wirklich individuellen Kaufvorschlägen, die in einem erfolgreichen Kaufvorgang enden, sehr gut sein.