Wie kann es sein, dass chinesische Onlinehändler so günstig versenden können?

Wie kann es sein, dass chinesische Onlinehändler so günstig versenden können?


Viele Onlineverkäufer wundern sich über die unglaublich günstigen oder sogar kostenfreien Versandangebote chinesischer Händler. Wie kann es sein, dass die Chinesen einen so preiswerten Versand nach Deutschland bzw. Europa anbieten können und das sogar für geringwertige Waren?

China ein Entwicklungsland?

Der Grund hierfür ist vielen Händlern nicht bewusst und liegt in der Besonderheit Chinas als Mitglied im Weltpostverein.

Der Weltpostverein (kurz WPV oder englisch UPU) geht auf das Jahr 1874 zurück und beinhaltet noch eine alte Regelung, die den Chinesen den Status eines Entwicklungslandes zuweist und ihnen deswegen günstigere Konditionen im grenzübergreifenden Postverkehr einräumt.

Was bedeutet das? Sendungen aus China werden subventioniert. Sowohl eine Privatperson als auch ein chinesisches Unternehmen zahlen nur einen sehr geringen Kostenbeitrag für den Transport in Länder außerhalb Chinas. Der zu entrichtende Kostenbeitrag deckt nicht einmal die Vollkosten, welche für die Beförderung innerhalb der Zielländer anfällt.

Was der Weltpostverein mit den Preisen chinesischer Händler zu tun hat

Der Weltpostverein bzw. der Weltpostvertrag regelt die finanziellen Ausgleichszahlungen, die sich nach dem Unterschied der Menge der beförderten Post in beide Richtungen bemessen. Gewichtet wird diese Berechnung noch mit länderspezifischen Faktoren, die sich nach Servicequalität, Landesgröße, pro-Kopf-Einkommen etc. richten.

Das bedeutet, dass jedes Landes, das zum Weltpostverein gehört (und dies sind fast alle anerkannten Staaten), ankommende Sendungen aus dem Ausland zu im Weltpostverein geregelten Konditionen zustellen muss. So ist in Deutschland beispielsweise die DHL verpflichtet, Pakete oder Briefe aus China auszuliefern, die hierfür anfallenden Kosten werden jedoch nur zu einem kleinen Teil durch das Sendungsentgelt abgegolten. Und je größer das Versandvolumen aus China, um so mehr leiden nicht nur lokale Onlinehändler unter dieser bevorteilenden Regelung, sondern auch die in Deutschland bzw. andern europäischen Ländern ansässigen Logistiker, die diese Sendungen befördern müssen.

So zahlen gemäß Patrick Kessler, dem Präsident des schweizerischen Versandhandelsverbands, schweizerische E-Commerce-Händler für die Zustellung ihrer Ware drei bis vier Mal mehr als chinesische Händler.

Kippt die Sonderstellung von China im Weltpostverein?

Solange also China seine Sonderstellung als Entwicklungsland im Weltpostverein behält, wird der internationale Onlinehandel extrem verzerrt.
Dieser Wettbewerbsvorteil ärgert viele deutsche Händler und es gibt bereits einige nationale Organisationen die sich innerhalb des WPV versuchen, dagegen zu wehren. Zu diesem Zweck wurde extra eine Arbeitsgruppe gegen die Bevorzugung Chinas im internationalen Postgeschäft gebildet, die sich dafür einsetzen will, dass die zwischen teilnehmenden Ländern vereinbarten Ausgleichszahlungen angepasst und die Bevorteilungen Chinas verringert werden. Mit einer Entscheidung kann frühestens zum nächsten Weltpostkongress in Istanbul im Juli 2016 gerechnet werden. Über Neuigkeiten zu diesem Thema werden wir hier im Blog berichten.