Chinesische Onlinehändler mit anderen Spielregeln

Chinesische Onlinehändler mit anderen Spielregeln


Deutsche Onlinehändler unterliegen strengen Verbraucherschutzregelungen, müssen Garantien und ein klar definiertes Widerrufsrecht einräumen sowie ordentliche Rechnungen ausstellen und natürlich Steuern zahlen. Seit geraumer Zeit sehen sie sich einer steigenden chinesischen Konkurrenz gegenüber, die z.B. auf dem Marktplatz eBay nicht nur erstaunliche Preise anbietet, sondern sich zudem teilweise wenig um deutsche Gesetze kümmert.

Geschäfte zu anderen Bedingungen

Auch wenn durch den schwachen Euro die Warenpreise in China geschwächt wurden, so wundert sich doch manch deutscher Verkäufer über die Preise chinesischer Mitbewerber. Denn diese lassen sich um ein Vielfaches niedriger kalkulieren, was verschiedene Ursachen hat. Zum einen lassen sich ganz andere Stückzahlen über den heimischen chinesischen Markt mit mehr als 600 Millionen Internetnutzern erreichen. Zum anderen sparen viele Chinahändler beim Verbraucherschutz und letztendlich bei den Steuern.

So ist das Volumen des grenzüberschreitenden Online-Handels in China 2014 insgesamt um mehr als 30 Prozent auf vier Billionen Yuan RMB gestiegen. Damit liegt der Online-Handel bei einem Anteil von über zehn Prozent am gesamten Außenhandel und die chinesischen Onlinehändler arbeiten weiter tatkräftig daran, ihre grenzüberschreitenden Geschäfte zu stärken. Zudem wird der chinesische E-Commerce staatlich gefördert: Das Finanzministerium der Volksrepublik China hat gemeinsam mit der staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform (National Development and Reform Commission, NDRC) sowie weiteren 11 staatlichen Institutionen einen Rundbrief mit 14 konkreten Maßnahmen zur Förderung der Entwicklung des chinesischen E-Commerce aufgestellt. Nicht umsonst soll die Volksrepublik laut Analysten-Prognosen in Kürze zum größten Markt für den Onlinehandel aufsteigen.

Chinesische Onlinehändler: Die Unsichtbaren

Auf dem deutschen Markt genießen die deutschen Händler zwar noch einen Vertrauensbonus, eine steigende Zahl asiatischer Anbieter macht sich allerdings genau dieses Vertrauen inzwischen zu Nutze und erweckt in ihren Angeboten den Anschein, deutsche Händler zu sein. Diese Händler sitzen selbst in China, versenden ihre Waren in Deutschland jedoch über einen lokalen Logistikdienstleister und umgehen trotzdem  das deutsche Recht. Dieses Vorgehen täuscht den potenziellen Kunden vor, er erhalte seine Waren aus Deutschland. Dass dahinter ein ausländischer Verkäufer steckt, wird erst bei genauem Hinsehen klar, wie dieses eBay Beispiel zeigt (hier mit einem Händler aus Großbritannien):

eBay Verkäufer mit Versand aus Deutschland

 

Standort des Sellers: China

Erst nach Klick auf den Verkäufernamen kann man entdecken, dass dieser Händler nicht aus Deutschland kommt.

Chinesische Onlinehändler außer Reichweite

Da sich diese Händler jedoch unerreichbar für die lokalen Behörden befinden, liegt der Unterschied darin, dass deren Spielregeln – z.B. hinsichtlich Produktsicherheit, Retourenregelungen, Steuern, Arbeits- oder Umweltschutz – gänzlich anders ausfallen als die der deutschen Anbieter. Sowohl Händler, Hersteller als auch Importeure mit Sitz in Deutschland unterliegen anderen Regeln, die wiederum umfassend durch die Behörden kontrolliert werden.
Während die chinesischen Händler freie Hand haben, müssen deutsche Unternehmen bei Verstößen nachbessern, tragen sowohl  ggf. anfallende Untersuchungskosten also auch Bußgelder und in schwerwiegenden Fällen droht ihnen sogar ein behördliches Vertriebsverbot. Während sich also deutsche Händler für die Mangelfreiheit ihrer Produkte, Ihrer Kommunkation oder Ihrer Arbeitsweise gegenüber verantworten müssen, können sich die Händler aus China schon durch die räumliche Distanz aus der Affäre ziehen.

Kein Schutz durch deutsche oder europäische Gesetze

In China gemeldete Händler unterliegen nicht den deutschen Gesetzen und Verbraucherschutzregelungen und sind damit dem Zugriff der deutschen Justiz entzogen. Eine Abmahnung an einen chinesischen Händler wegen Verstoß gegen Wettbewerbs- oder Markenrecht oder wegen Verstoß gegen die Informationspflichten aus dem Fernabsatzrecht haben so gut wie keine Erfolgsaussichten.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die EU des Problems annimmt und für eine bessere Marktüberwachung sorgt. Immerhin wird derzeit an einem Entwurf dazu von der EU-Kommission gearbeitet.

Haben Sie auch schon Erfahrungen mit unfairer Konkurrenz aus China gemacht? Schreiben Sie uns in den Kommentaren Ihre Erfahrungen.

  1. Hans-Willi

    Das ist leider trauriger Alltag. Ein Heer von chinesischen Unternehmen bieten Produkte auf deutschen Verkaufsplattformen an und versenden schnell aus deutschem Lager. Alle anfallenden Nebenkosten, wie CE Zertifikat, WEEE Richtlinie, Verpackungsverodnung,Rückgaberecht hat man gespart. Rechnungen werden meist gar nicht oder ohne Mehrwertsteuer ausgestellt. Die deutschen Behörden können angeblich nichts daran machen.
    Amazon und Ebay unterstützen das auch noch aber auch gegen die kann man angeblich nichts machen.

    Wir überlegen mittlerweile schon, eine Briefkastenforma in China aufzumachen und den Versand über einen Logistik Dienstleister abzuwickeln. Dann können wir auch zu erheblich anderen Preisen anbieten.

    Willkommen in der wundersamen Welt des EU Schwachsinns !

  2. M. Still

    Lieber Hans-Willi, das Problem ist bereits allgemein bekannt. Die EU-Mühlen mahlen aber wieder viel zu langsam. Warum? Weil der Druck den wir EU-Händler ausüben noch viel zu gering ist. Ihre Überlegungen genau so zu agieren wie unsere (vornehmlich) asiatischen Mitbewerber sind zwar aufgrund von Resignation, Frust und existenziellen Ängsten verständlich aber nicht ehrenwert.
    Man sollte lieber die Zeit und das Geld investieren und organisert alle betroffenen Händler an einen Tisch bringen, einen Fond gründen und mit dessen Mittel entsprechende Maßnahmen durchführen um den Druck auf die Marktplätze, die EU und auf die nationale Politik erhöhen. Den Staaten entgehen hier Milliarden, es würde sich also lohnen. Man braucht nur jemanden der dies mal organisiert und den Anschub macht. Ich bringe das alleine nicht hin und investiere schon eine Menge Geld und Zeit um auf EU-Kommission und Finanzbehörden entsprechenden Druck auszuüben. Zukünftige Mitstreiter dürfen sich gerne bei mir melden. Gemeinsam geht das besser. Ideen sind da um es betroffenen Händler leicht zu machen Petitionen an die EU mitzutragen, Strafanzeigen an die Finanzbehörden zu stellen, oder wie im Falle von Birkenstock oder zahlreichen weiteren Unternehmen, die mittlerweile Marktplätzen den Rücken gekehrt haben, den Druck auf die Marktplätze zu erhöhen und zur Verantwortung zu bringen.

    Ihnen allen eine gesegnete Weihnacht und schon jetzt ein erfolgreiches Jahr 2017.

    Matthias Still
    MS WEB-Service e.K
    Projekt REIZKUNST

    • Stein

      Nun ja, das ist ein guter Ansatz aber ich befürchte, sinnfrei. Die Steuerfahndung kann nur bei einem einzeln dokumentierten Fall vorgehen und selbst wenn man dann eine Lieferstelle zu gemacht bekommt, tauchen 3 neue wieder auf. Die Zollämter kennen das Problem, haben aber kein Personal. Die IHK kennt auch das Problem und übt angeblich schon seit langer Zeit erheblichen Druck auf die Politik aus. Ich habe fast alle Stellen durch aber es interessiert keinen so wirklich. Mittlerweile haben die Chinesen endeckt, dass man die Sachen über EU „Schwellenländer“ bei denen der Zoll noch weniger Lust hat, die Arbeit zu machen, noch einfacher einführen kann und wenn es einmal in der EU ist, dann hat man eh freie Hand.

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