Der eBay CEO erläutert, was sich für die nächsten 5 Jahre im E-Commerce verändern wird

Der eBay CEO erläutert, was sich für die nächsten 5 Jahre im E-Commerce verändern wird


Der eBay CEO Devin Wenig hat im Rahmen des World Economic Forum kürzlich seinen Ausblick auf die kommenden fünf Jahre im eCommerce mit dem Publikum geteilt. Er erläuterte, warum in den nächsten Jahren die Bedeutung von Daten auch für den Onlinehandel immer stärker wird. Zudem werde der Handel, genauso wie auch die Vorprozesse der Produktion und Logistik für den E-Commerce immer internationaler, vor allem da die Kundenbedürfnisse fortlaufend individueller und personalisierter werden.

Wenig zeigte deutlich den großen Einfluss von mobilen Geräten auf diese Entwicklung auf und kommentierte, dass die bisherige Entwicklung erst der Anfang sei. Das Wachstum von Verkäufen, die über mobile Geräte. d.h. Tablets oder Smartphones getätigt werden, zeige, wie verwoben heutzutage Technologie und Handel sind. Der eBay CEO sieht den Markt vor einer weiteren großen technologischen Veränderung: die des so genannten „connected commerce“.

Er spricht über fünf elementare Trends für die kommenden 5 Jahre, die unsere Handelslandschaft drastisch verändern werden:

  1. Das Zeitalter des „everywhere“
  2. Der wirklich globale Handel
  3. Virtuelle Realität als Verkaufstool
  4. Angebot und Bestandsführung „on demand“
  5. Nachhaltiger Einkauf

Was meint Devin Wenig genau mit diesen fünf bedeutenden Entwicklungen?

  1. Das Zeitalter des „everywhere“, von einigen auch als „Internet der Dinge“ bezeichnet, beschreibt eine Welt, in der Trillionen von Artikeln und Sensoren miteinander vernetzt sind. Dieses Ökosystem von morgen besteht aus Daten, die sich in der Cloud befinden. Es wird zukünftig darum gehen, die Möglichkeiten und die Aussagekraft, die in Daten stecken, nutzbar zu machen und in einen sinnvollen Kontext zu stellen. Ein solcher „kontextbezogener“ Einkauf ist eine intelligentere und individuellere Einkaufserfahrung, die sich eine Vielzahl an sinnvollen Daten zu nutze macht, wie beispielsweise die Vorlieben und Wünsche des Käufers bis hin zum Standort der angebotenen Waren. Warum sollte man als Kunde physisch oder digital irgendeine Destination aufsuchen, um etwas zu kaufen, wenn der Artikel auch so einfach zum Kunden kommen könnte? Warum ist ein Warenlager nötig, wenn die Ware auch so schon nah am Verbraucher wäre? Warum sollte man einen 37 Zoll Bildschirm gestalten und produzieren, wenn es eigentlich hunderte von verschiedenen Gestaltungsfaktoren geben könnte? Im Zeitalter des „everywhere“ geht es um eine umfassend kundenzentrierte Einkaufserfahrung sowie um eine völlig neue Form der vernetzten Logistik.
  2. Der wirklich globale Handel, wie Devin Wenig ihn beschreibt, wird als Begriff bald überflüssig, da nach seinen Schilderungen zukünftig jeder E-Commerce global ist. In vielen Bereichen ist dies jetzt bereits der Fall. Trotzdem gibt es auch noch eine Vielzahl von Hindernissen für den internationalen Handel, wie Zölle, Steuern, Sprachbarrieren, Währungen und diversen komplexen Import und Einfuhrbeschränkungen. Bei eBay arbeite man daran, diese Hemmnisse für Händler zu beseitigen oder zu vereinfachen und glaubt daran, dass sich dadurch der globale Handel für Verkäufer stark vereinfachen lässt. Nach Meinung von Devin Wenig wird dies die Tore für neue Märkte öffnen, Arbeitsplätze werden geschaffen und Wechselkurs-Nachteile, wie sie heute bestehen, können ausgemerzt werden.
  3. Virtual Reality als Tool beschreibt der eBay CEO als einen besonders wichtigen Trend, der nach seiner Meinung in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle im E-Commerce einnehmen wird. Er bezeichnet Virtual Reality sogar als „game changer“ für die Konsumenten-Welt. Vor allem bei der Produktpräsentation im Online-Shop kann die Technologie laut Wenig den Handel grundlegend verändern. Diese Technologie hält in den Mass Markt über Spiele und Spieleplattformen Einzug und wird jetzt zügig Schritt für Schritt Einzug in andere Industrien halten. Die Auswirkung auf den Handel wird enorm sein und kann sogar „disruptiven Charakter“ haben, d.h. bestehende Lösungen können vollständig verdrängt werden. Devin Wenig schätzt die Wahrscheinlichkeit dafür besonders hoch ein in stark emotional getriebenen Kategorien, die aktuell noch durch Nutzungseinschränkungen behindert werden. Kategorien, die er damit anspricht, sind beispielsweise Kunst, Mode oder Automobil – d.h. Bereiche, in denen es stark auf Texturen, Sitz, Passform und Gefühl für ein Produkt ankommt. Er erläutert, dass „virtual reality“ und „augmented reality“ (d.h. eine erweiterte Realität durch eine computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung) enorm dafür sorgen werden, Vertrauen in Kaufentscheidungen zu vermitteln und zudem dafür sorgen werden, den Nutzern eine besondere virtuelle Erfahrung zu verschaffen.
  4. Angebot und Bestandsführung „on demand“ – mit dieser Bezeichnung beschreibt Devin Wenig als Szenario für ein zukünftig umgedrehtes Produktionsmodell. Das Produktionsmodell von heute ist ein sehr altes Modell, welches bereits seit langer Zeit existiert. Gemäß diesen Modells ging es bislang darum, dass Hersteller riesige Stückzahlen von einem spezifischen Produkt hergestellt haben und dann  versuchten, diese zu verkaufen. Die Daseinsberechtigung dieses System entfällt nun jedoch dadurch, dass durch neue Technologien eine datenbasierte, schnellere Planung möglich ist. Hierdurch entfällt die Notwendigkeit, Produktbestände aufzubauen um dann Kunden dafür zu finden. Er führt seinen Zuhörern ein Beispiel vor, in dem jemand einen neuen roten Kaschmirpullover mit einem bestimmten Schnitt, einem bestimmten Style und einer bestimmten Länge sucht. Diese Nachfrage wird im neuen Zeitalter des „everywhere“ sofort mit passenden Produktionsstätten abgeglichen, egal wo auf der Welt, nah oder fern. So kehrt sich das Produktionsmodell um, denn vor der Produktion steht die Nachfrage. Und diese Umkehr von Angebot und Nachfrage hat weitreichende Konsequenzen. Alles, was ein Konsument möchte, kann definiert, geplant, zusammengesetzt, hergestellt und geliefert werden – und das mit wenigen Klicks.
  5. Nachhaltiger Einkauf wird für Devin Wenig für eine wachsende Zahl an Menschen an Bedeutung gewinnen. Dabei geht es um Einkaufsentscheidungen, die stärker auch von Nachhaltigkeitsgedanken (d.h. dem Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung) geprägt werden. Entscheidungen, ob man Neuware oder gebrauchte Waren kaufen sollte, werden häufiger nicht nur nach dem Preis entschieden. Um nachhaltige und ökologisch sinnvolle Einkaufsentscheidungen zu treffen, sei es der Kauf von gerauchten Waren oder auch nur der kurzfristige Einsatz von Produkten, um diese dann wieder zu verkaufen (typische Beispiele hierfür finden sich in den Kategorien Baby-Artikel oder auch Elektronik).
    Heute ist es vor allem die Generation Y (Bevölkerungsgruppe, die im Zeitraum von etwa 1980 bis 1999 geboren wurde – teilweise auch als „Millennials“ bezeichnet), die diese Entwicklung vorantreibt und in der Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert hat und Zugang einen höheren Stellenwert hat als Besitz. Aus dieser Bewegung konnten eine Vielzahl an neuen Services und Marken stark werden, so wie beispielsweise  Airbnb oder Uber. Es wird geschätzt, dass der nachhaltig motivierte Einkauf für ein Potenzial steht, bis zu 340 Millionen Tonnen Abfall jährlich einzusparen.

Fünf Entwicklungen mit einem 14-Trillionen-Dollar-Potenzial

Das Tempo der Globalisierung der letzten Jahre ist enorm und auch die Nutzungsgeschwindigkeit von „on demand“ Prozessen ist atemberaubend. Der Einfluss neuer Technologien und besonders der mobilen Technologien hat die Art, wie wir leben und einkaufen, substanziell verändert und dazu geführt, dass die Off- und Onlinewelt immer stärker miteinander verschmelzen.

Wie der CEO von eBay erläutert, stecken in seinen fünf beschriebenen Einflüssen die nächsten großen Umbrüche und Veränderungen im Handel, wie wir ihn jetzt noch kennen. Devin Wenig sieht diese Entwicklung und beschreibt präzise, wie sich der Handel sowohl On- als auch Offline verändern wird. Händler und Unternehmen, die sich darauf einstellen, werden die Chance auf ihren Anteil haben, an einem 14 Trillionen Dollar großen Potenzial.

+ Noch kein Kommentar vorhanden.

Teilen Sie uns Ihre Gedanken mit!